29. Dezember 2006
fremde Welt: Schlüsselreize

„Hey komm, S.“, fällt sie mir entschlossen ins Wort und spricht mich auch noch mit Namen an, mitten im Gespräch, „das war doch der billigste Mädchentrick überhaupt, mit dem sie dich gekriegt hat. Genau wie diese Pullovernummer mit zu langen Ärmeln, in denen sie sich dann verkriechen, so kuck mal, wie klein und niedlich ich bin...“
„Moment, ich steh überhaupt nicht auf Mädchen...“, versuche ich mich zu wehren.
„... sondern auf Frauen, jaja, weiss ich doch, auf verrückte Frauen, aber auch wenn du denkst, du hast es durchschaut, funktioniert es trotzdem. Das ist genau wie bei mir und den Männern mit großen Autos.“

15. Dezember 2006
berlin: Klingelbeute

Münzklingel

10. Dezember 2006
giesskannen: RIP

R. I. P.

9. Dezember 2006
take-home-message: ...

"O. mangelte es jedoch an Vorstellungsvermögen. An eine Welt ohne Drachen glaubte sie nicht."

27. November 2006
take-home-message: sublimes Plakat der Citybank

"Leben, als ob es kein Morgen gäbe.
Sparen, als ob noch viele davon kämen."

17. November 2006
fremde Welt: "Eh kein ' Sinn"

Frauengeschichten? frage ich ihn. Wir haben uns monatelang nicht gesehen.
Er knurrt, macht eine wegwerfende Geste und stößt dabei an den Ikea-Tisch. Die leeren Bierdosen wackeln und tickern aneinander, aber keine fällt um.
Neenee, Frauen interessieren mich nicht, sagt er.

Zwölf Stunden früher: Ich sitze an der Bar, weil ich das Elend nicht mit ansehen kann. Wie er mit verwaschener Artikulation und ungetrübtem Selbstbewußtsein die Caipirinha-trinkende Frauenrunde vollquatscht. Ich habe das Bier gleich und mit einem deutlichen Trinkgeld bezahlt. Sicherlich werden wir auf das Wohlwollen der Tresenfrau später noch angewiesen sein. Sie weiß mein Schweigen zu schätzen und stellt mir eine große Schale Knabberzeug hin. Ich schaue ihr bei der Arbeit zu. Routiniertes Hantieren mit Gläsern und Flaschen. Beruhigend wie die Metamorphosen in einer Lavalampe. Die Ruhe vor dem Sturm. Es kann nicht mehr lange dauern, bis mich mein Kumpel gewaltsam vom Barhocker holen, zu seinen neuen Bekannten zerren und mich „vorstellen“ wird. Widerstand wäre zwecklos und würde alles nur noch schlimmer machen.

Ich gebe mir keine Mühe, das Schicksal aufzuhalten. Schließlich ein würdeloser Abgang. Ich schleife meinen Kumpel untergehakt durch die Tür, er reisst sich noch einmal los und ruft „Aber wenn, dann du! Du oder keine!“ und stochert dabei mit seinem Zeigefinger in der Luft, dann kann ich ihn wieder greifen und wir stolpern auf die Straße.

Kein Interesse an Frauen? Gestern wirkte das noch anders, sage ich.
Echt? Warum, was war denn los?
Er weiß es noch genau. Vielleicht nicht in allen Einzelheiten, aber das Wesentliche.
Und warum kein Interesse? frage ich stattdessen.
Weil es eh kein' Sinn hat. Außerdem hab ich die Schnauze voll... Und selbst?

16. November 2006
ost-west-begegnung: Brutalstmögliche Glaubensprüfung

Gemeinsam knieten wir auf der Auslegware in der etwas traumfängerlastigen Wohnung. Statt per christlicher Taufe sollte der Kleine mit einer buddhistischen Segnungszeremonie in die spirituelle Welt aufgenommen werden. Die zunächst zweifelnden Verwandten, die mit uns den Stäbchenrauch einatmeten, waren dann doch ganz angetan von diesem original asiatischen, dauerlächelnden Mönch in orangener Robe, der mit beneidenswerter Gelassenheit mit dem Quengeln und Quieken der Hauptperson umging. Spätestens im vietnamesischen Restaurant war das Eis dann gebrochen, und niemand war zu schüchtern, sein VHS-Englisch zu bemühen. Fragen nach den Geboten des Buddhismus wurden gestellt und beantwortet, nein, es gäbe keine Vorschriften, nur Werte wie Aufrichtigkeit, Demut, Ehrlichkeit, und schließlich kam eine Frage, die besser nicht gefallen oder zumindest besser unbeantwortet geblieben wäre, nämlich die Frage, wo der Dalai Lama denn wohnen würde bei seinen Deutschlandbesuchen.
„Oh he use to stay at friends, he often stay at Rollan Cocks house.“
Schweigen.
Denkpause.
Dann ungläubiges Schweigen.
Schließlich doch vorsichtiges Nachfragen:
„Äh you not mean ze politic Roland Koch?“ - „Yesyes, Rolland Cock, the prime minister of hesse! He is a good friend of the Dalai Lama.“
Roland Koch. Der brutalstmöglich aufrichtige, ehrliche, demütige Politiker. Der bei Sympathieumfragen immer knapp den ersten Platz verpasst, vor ihm nur noch der Dalai Lama.
Ich hörte es neben mir klirren, das musste das Weltbild der Mutter gewesen sein.

31. Oktober 2006
denkblase: Members of the Death Domain-Fold Superfamily revisited

„Given the relatedness of the POP1 PyD to that of ASC and the lack of a CARD in POP1, it could be envisaged that POP1 might bind readily to ASC and spoil the aforementioned ASC-mediated signalling complexes.“ (Mariathasan u. Vucic 2003)
Die postmodernen Philosophen haben zurückgeschlagen, und ich sitze über der Revanche für "Transgressing the Boundaries: Towards a Transformative Hermeneutics of Quantum Gravity", die zeigen soll, dass auch in den Lebenswissenschaften Sinn keine Bedeutung hat.
Aber ich habe es durchschaut und mich umorientiert und mache mir jetzt nicht mehr Gedanken über die Funktion dieser Proteinfamilie, sondern widme mich stattdessen der gleichnamigen Band „Members of the Death Domain-Fold Superfamily“ - vergessene Pathosrocker der Spätsiebziger, denen völlig zu Recht kommerzieller Erfolg und Ruhm verwehrt blieben, und die ich exemplarisch für meine Arbeit über „Glamrock und seine retrospektive Rezeption im Spannungsfeld von Narzissmus, Selbsthass und Diddlmausverehrung“ ausgewählt habe. Gerade bei ihrem Titel „POPing the fire into the pyrin“ (Mariathasan u. Vucic 2003) lässt sich schon aus den ersten Synthieklängen des Intros ableiten, dass...
Jedoch, das Intro ist die Einschaltfanfare eines Windows-Notebooks, die zwischen den Bücherregalen echot, den Staub von den plastikblättrigen Hydrokulturen rieseln lässt und mich zurückruft in die Sonderbereichswelt von „ICEBERG, a CARD-only protein that has no orthologues in mice“ (Mariathasan u. Vucic 2003).

30. Oktober 2006
berlin: ...

planespotting

29. Oktober 2006
woanders: ...

esst_mehr_beton

29. Oktober 2006
berlin: ...

Mir doch egal, dass du das kitschig findest.

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