2. April 2009
take-home-message: ...

"Was Sie Liebe nennen, wurde von Leuten wie mir erfunden, um Unterwäsche zu verkaufen."
(Hierher, aber der hat sich das auch nicht selbst ausgedacht.)

30. März 2009
denkblase: Ich kenn den DJ

Die "Ich-steh-auf-der-Gästeliste"-Prozedur abwickeln, mit vollem Ernst, bei zwei Euro Eintritt, das fühlt sich an wie früher, beim Kaufmannsladen spielen.

24. Februar 2009
fremde Welt: ...

„Ich hab ja vier Jahre in der Gegend gewohnt, hat mir aber gar nicht gefallen“, sagt die unbekannte Tresenfliege.
Einzelplatz am Tresen.
Der Andere Kollege hat eine Frau mit prominenter Nase in ein Gespräch verwickelt.
Haarfarbe stimmt: Beuteschema passt.
Stör ich mal besser nicht.
„Ich hatte ja so viel in die Wohnung investiert, nur deshalb bin ich vier Jahre geblieben“, sagt die unbekannte Tresenfliege.
Das Gespräch endet, der Andere Kollege ist frustriert.
Die Bedienung kommt mit großen Augen aus dem Raucherzimmer.
„Ich habe in den vier Jahren mein Buch geschrieben“, sagt die unbekannte Tresenfliege.
Im Raucherzimmer sitzt ein Gast nur noch in Unterwäsche, berichtet die Bedienung.
Die ist Künstlerin, ergänzt die prominente Nase. Jedes deutsche Wort, das sie nicht kennt, schreibt sie mit Edding auf die Haut. Offenbar hat sie heute abend schon viel gelernt. Der Platz auf Beinen und Bauch wird knapp.
Der Andere Kollege geht mal die Aschenbecher leeren.
Flachmann, Feudel, Augenweide, gebe ich ihm mit auf den Weg.
„Ich habe ja Jazz-Gitarre studiert“, sagt die unbekannte Tresenfliege.

24. November 2008
fremde Welt: Samstag im Könich

Plötzlich, zwischen Kraftwerks Model und irgendwas, das dem Beat nach genau wie Witts Goldener Reiter klingt , zeigen viele Zeigefinger Richtung Panoramascheiben.
Es schneit, die Flocken fliegen fast waagerecht. Wie in einer Schneekugel.
Oder: „Wie im Schwarzwald.“
Ich bin froh, dass ich über dreißig bin und nicht den Drang verspüre, verwaschene Atari- oder Ladyfest-Spain-T-Shirts tragen zu müssen.
Ich bin froh, dass ich über dreißig bin und nicht den Drang verspüre, mir einen Unterlippenbart wachsen zu lassen.
Ich bin froh, dass ich über dreißig bin und nicht die letzten Jahre damit verbracht habe, meine Arme tackern zu lassen und meinen Bizeps aufzupumpen, leider unter sträflicher Vernachlässigung von Trizeps und Deltoideus, was schonmal scheiße aussieht, gekrönt noch durch deutliche Anzeichen der östrogenen Hopfenwirkung.
Der Kollege philosophiert über Galapagosfinken, schnorrt sich von unserer Begleiterin eine Kippe und schnippt sie beim Gestikulieren versehentlich auf den Stiefelschaft des Minirockmädchens vom Nachbartisch. Nach einigen Sekunden setzt sich doch das Über-Ich durch, und natürlich nimmt sie ihm die Erklärung, warum er da gerade an ihren Beinen zu tun hatte, nicht ab.
Wir gehen Richtung Tanzfläche.
Die Evolution hat nicht ahnen können, dass es mal Empfängnisverhütung gibt.
Aber das ist auch das Dilemma der meisten Typen hier, sagt der Kollege. Die strahlen nur Fickbereitschaft aus, aber keine Verantwortungsbereitschaft. Evolutionär ist das noch unbewusst verdrahtet und bestimmt das Selektionsverhalten, und darum kriegen die ganzen verzweifelten Galapagosfinken hier heute keine ab.
Wir wählen den tätowierten jungen Mann als Beobachtungsobjekt. Sein Coach trägt eine Schiebermütze und hat ihn eben nochmal daran erinnert, warum sie hier sind: Entweder du gräbst jetzt eine an oder wir gehen woanders hin.
Balztanz, Bar, Jägermeister.
Der Kollege wettet um ein Bier, dass innerhalb der nächsten zehn Minuten geknutscht wird.
Die Begleiterin hält. Die Körpersprache der Frau, zu abweisend, und die sehe auch nicht so verzweifelt aus, als ob sie sich nicht auch anders amüsieren könnte.
Die Schiebermütze hat unser Gespräch mitbekommen und grinst breit.
Klick. Das Elektrofeuerzeug unserer Begleiterin zündet nicht.
Klick.
Klick.
Ich weiß, was die dritte Fehlzündung bedeutet.
Unsere Begleiterin weiß es auch.
Nach drei Minuten ist das Gespräch beendet:
"Ich hab Dich als meinen Freund ausgegeben. Der Typ ist echt übel."
Zeit zu gehen.
Früher hätten wir jetzt zusammen Spinatspaghetti gekocht, aber heute geht jeder seinen Weg.
Und es fängt wieder an zu schneien.

10. November 2008
take-home-message: ...

"Wenn es Patienten an mehr als drei Stellen wehtut, ist es ein Verkehrsunfall oder psychisch."

3. November 2008
take-home-message: Helden des Alltags

"In the middle of the afternoon, her 1.5 m houseplant (Ficus benjamini) suddenly lost all its leaves. The secretary's boss decided to call the fire brigade."

Popp W, Mentfewitz J, Götz R, Voshaar T.
Phosphine poisoning in a German office.
Lancet. 2002 May 4;359(9317):1574.

28. Oktober 2008
anstalt: ...

Ärzte gänzlich ohne arbeitsmedizinische Kenntnisse sind jedoch vergleichbar mit "Erdmilben, die im Dunkeln wühlen".

9. Juni 2008
denkblase: schnakenstiche

Eben flogen die ausgedorrten Felder noch vorbei, nun können wir die Mohnblumen und die Kornblumen erkennen und die weißen Blumen, die sicherlich auch einen Namen haben. Radfahrer überholen uns rechts, und der Sendersuchlauf pickt zwischen den ganzen Hits (70er, 80er, 90er, das Beste von heute) endlich Radio eins heraus.
Wir lassen die sonnenwarmen Betonwege zurück, die Kiefern, das Wasser, die kleine Fähre, die Insel, die Klause, die drei Gäste neben uns, Vollbart und Schnurrbart und knappe Shorts, ihre bleichen haarigen Rücken, ihr gestreifter Bikini, die unregelmäßige Haut, die nachlässigen Haare, das Gespräch in einem Dialekt, der nicht direkt Berliner war, ihre Ruhe, ich stelle mir vor, dass sie alte Schulfreunde sind, gottseidank haben sie sich gehabt, bei der Wende volljährig geworden, nach ein paar Jahren in der Fremde (Uni, Agentur, Fremdenlegion) wohnen sie jetzt gemeinsam in einem heruntergekommenen Haus, in dem es durch die Fenster zieht und von den Rahmen springen die obersten Lackschichten ab, sie halten auch ein paar Hühner, und unter der Pergola steht die Hollywoodschaukel mit orange-braunem Blumenmuster, auf dem wachstuchgedeckten Tisch drei braune Bierflaschen und ein grüner Plastikaschenbecher mit einem verblichenen Werbeaufdruck, in dem die Frau ihre F6 ausdrückt, sicher raucht sie, die Stimme, und ich will nicht weg aus dieser Stadt, deren Hochhäuser am Kornährenhorizont zu sehen sind, ich will hier doch noch nicht weg, zumindest nicht im Sommer, noch nicht in diesem Sommer.

10. Mai 2008
take-home-message: ...

"Ich empfehle Ihnen eine destruktive Recovery."

15. April 2008
take-home-message: ...

"Die Realität ist mono und klingt scheiße."

Wetter

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kopffüßelnde (anonym) - 8. Mrz, 16:44

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